Herausforderung klassischer Sicherheitsmodelle
Traditionelle Sicherheitsarchitekturen in industriellen Netzwerken basieren auf dem sogenannten „Perimeter-Modell“. Dabei wird das Netzwerk wie eine Burg geschützt: außen stark gesichert (z. B. durch Firewalls und VPNs), innen jedoch als vertrauenswürdig betrachtet. Dieses Modell ist heute nicht mehr ausreichend, da moderne Angriffe gezielt folgende Schwachstellen ausnutzen und sich unbemerkt innerhalb des Netzwerkes ausbreiten:
- Fernzugänge (z. B. über VPN),
- Phishing-Angriffe auf Mitarbeitende,
- unkontrollierte Drittanbieterzugriffe und
- mangelnde Netzwerksegmentierung
ausnutzen, sich unbemerkt innerhalb des Netzwerks auszubreiten. Die Angriffe durch Stuxnet und beim Clorox-Hack 2023 machen deutlich, wie anfällig Netzwerke sind, wenn intern keine Sicherheitsüberprüfungen stattfinden.“
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Was ist Zero Trust?
Zero Trust ist ein Sicherheitskonzept, das implizites Vertrauen vollständig eliminiert. Stattdessen wird jeder Zugriff – unabhängig von Standort oder Rolle – kontinuierlich überprüft. Das Grundprinzip lautet:
„Never trust, always verify.“
Kernprinzipien:
- Least-Privilege Access: Nur minimal notwendige Rechte werden vergeben.
- Segmentierung: Netzwerke und Systeme werden logisch voneinander getrennt.
- Kontinuierliche Authentifizierung: z. B. durch Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).
- Echtzeitüberwachung: Aktivitäten werden laufend analysiert und protokolliert.
Zero Trust in der OT-Praxis
Ein typisches Beispiel:
Ein Servicetechniker benötigt Zugriff auf eine bestimmte Maschine.
- Vor Zero Trust: VPN-Zugang zum gesamten Netzwerk, oft mit geteilten Zugangsdaten, keine Überwachung.
- Mit Zero Trust: Zugriff nur auf die benötigte Maschine, MFA-Login, zeitlich begrenzt, überwacht und protokolliert.
Das reduziert das Risiko von Fehlkonfigurationen, Missbrauch und unbemerkten Angriffen erheblich.
Besonderheiten von OT-Umgebungen
Die Umsetzung von Zero Trust in OT (Operational Technology) unterscheidet sich deutlich von der traditionellen IT:
- Verfügbarkeit hat Priorität: Systeme dürfen nicht durch Sicherheitsmaßnahmen beeinträchtigt werden.
- Legacy-Systeme: Viele OT-Geräte basieren auf älterer Technologie und lassen sich weder einfach aktualisieren noch mit Sicherheitssoftware ausstatten.
- Drittanbieterzugriffe: Häufig notwendig, aber schwer zu kontrollieren.
- Physische Auswirkungen: Sicherheitsvorfälle können reale Schäden verursachen (z. B. Produktionsausfälle).
Zero Trust umsetzen – ohne Infrastrukturtausch
Ein großer Vorteil: Zero Trust kann schrittweise eingeführt werden, ohne bestehende OT-Infrastruktur zu ersetzen.
Ein idealer Einstiegspunkt ist der sichere Fernzugriff, z. B. durch:
- rollenbasierte Zugriffskontrolle,
- just-in-time-Zugriffsfreigabe,
- Protokollierung und Sitzungsaufzeichnung,
- Malware-Scanning bei Dateiübertragungen.
Fazit
Zero Trust ist kein Trend, sondern eine notwendige Weiterentwicklung der OT-Sicherheit.
Es bietet:
- Schutz vor modernen Bedrohungen,
- Kontrolle über interne und externe Zugriffe,
- Sicherheit ohne Betriebsunterbrechung.

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Dipl.-Ing. Gerald Steinkellner
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